Weltjugendtag

Cuatro Vientos – Vier Winde

Weltjugendtag 2011 – ein subjektiver Eindruck

Cuatro Vientos heißt der Flughafen in Madrid. Die Winde wurden am Abend zum Sturm.
2 Millionen Jugendliche duckten sich unter Planen und Schirmen. Aber der Wind des Geistes hat in dieser Nacht manches Herz erfüllt.
Ich möchte nur von einem Erlebnis von den Millionen, die sich auf diesem Flughafen abgespielt haben, erzählen.
Auf dem riesigen, in Sektoren unterteilten Gelände, hatte jede Gruppierung und jede Isomatte ihren zugeteilten Platz. So konnte man, wenn man sich den Standort seiner Clique gemerkt hatte, die lange Wanderung zu den Waschbecken mit dem erlösenden, kalten Wasser antreten. Die 45 Grad, die das Thermometer tagsüber erreichte, machten es unmöglich eine Lust an irgendetwas anderem außer am Herumliegen zu entwickeln.Gegen Abend wurde das Wetter wieder angenehmer, eine große Wolkenfront zog auf. Dankbar aber ein bisschen besorgt  wurde sie von uns begutachtet. Meiner Schwester und mir war inzwischen das Trinkwasser ausgegangen und wir beschlossen, die Sanitäranlagen aufzusuchen. Über den waagrechten Hauptweg gelangten wir auch zügig zum Ziel. Als wir zurück wollten war aber ein senkrechter Weg, den wir überqueren mussten, wegen der Papstprozession gesperrt. Für wie lange konnte uns niemand von den Voluntarios (spanische, freiwillige Helfer) sagen. Jammern und Betteln half nichts. Wir konnten auch nicht auf Umwegen zurück zu unseren Freunden. Ohne Handy und Zigaretten fühlten wir uns etwas verloren hier. Zuerst vertrieben wir beide uns die Zeit damit, die Vigil auf den großen Bildschirmen, die für jeden Sektor aufgestellt waren, zu verfolgen. Doch schon bald spürten wir die ersten Tropfen auf unserer Haut. Als diese fetter wurden und ein stürmischer Wind dazu kam, hielten wir Ausschau nach etwas zum Unterstellen. Wir eilten zum Rand des Geländes. Blitze zuckten, Donner rollten.

Es wurde schlagartig dunkel, man sah nur noch Schemen und Umrisse. Der Wind peitschte den Regen in unsere Gesichter, durch unsere Kleidung auf die Haut. Ich schaute mich nach meiner Schwester um und sie strahlte mich an: „Das Kirchenzelt!!“ Sie schrie, so laut war das Unwetter geworden. Ich musste auch lächeln. Wenn man Zuflucht sucht, findet man sie natürlich in der Kirche. Das dachten wir jedenfalls. Wir kämpften uns auf das beleuchtete, hausgroße, mit Menschen überfüllte Zelt zu, stiegen über menschliche Körper, die sich mit Planen vor dem Wind geschützt hatten oder hinter Müllcontainern bunkerten. Das gelobte Land stand leuchtend vor uns aber plötzlich hielt meine Schwester abrupt an. Ich schaute auf und traute meinen Augen nicht. Das riesen Zelt wurde von einer mächtigen Sturmböe angehoben. Leute schrieen, stürzten planlos raus, auf uns zu. Apokalyptische Szenen. Wir machten auf der Stelle kehrt und rannten so schnell wir konnten. Als ich einen Blick nach links warf sah ich in der Dunkelheit ein anderes Zelt, welches von den Menschen, die darin standen gestützt wurde. Sie hielten die riesigen Balken um es vor dem Einstürzen zu bewahren. Gott sei Dank war die Absperrung jetzt aufgehoben und wir konnten zu unserem  Sektor zurückkehren. Dort schienen die Menschen bis auf den Regen nicht viel von dem Gewitter mitbekommen zu haben, da sie in der Platzmitte geschützt waren.

Völlig aufgelöst und emotionsgeladen fanden wir uns wieder bei unserem Lager ein. Unsere Freunde hatten sich um unsere Sachen gekümmert und sie vor der Nässe geschützt. Aber unsere Aufregung konnten sie nicht ganz nachvollziehen.

Die weitere Nacht verlief angenehm. Obwohl man bei der Übernachtung unter freiem Himmel nicht von Komfort sprechen kann, schliefen wir gut und fest. Als am nächsten Morgen eine Leiterin bei der Nachhausefahrt im Bus erzählte, dass sie heftige Angst vor Unwetter habe und mit einer Freundin unter einem Schirm betend ausgeharrt hat, wurde meiner Schwester und mir klar, dass wohl mancher gestern keine gewöhnliche Vigil erlebt hat. Tage später weist mich meine Schwester schmunzelnd auf die Übersetzung der Papstrede hin, die sie im Internet gefunden hatte: „Ich danke euch für das wunderbare Zeugnis, das ihr gegeben habt. Genau wie in dieser Nacht werdet ihr mit Christus immer die Prüfungen eures Lebens bestehen. Vergesst das nicht! Danke euch allen!“

 

Isabell Hagenmaier

 

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