Weltjugendtag Krakau

Drei Bandmitglieder von RiseUp sind am Montag vom Weltjugendtag in Polen zurückgekehrt. Erlebnisreiche Tage liegen hinter ihnen. Hier der Bericht:

Selig die Barmherzigen

Campus MisericordiaeLiebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu vegetieren, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert“. Papst Franziskus findet am letzten Abend des Weltjugendtags während des Abendgebets, der sogenannten Vigil klare Worte. Eine große Botschaft an die knapp 2 Millionen jungen Menschen aus aller Welt, die sich auf dem Campus Misericordiae versammelt hatten und die eindeutige Aufforderung an diese, Spuren in der Welt zu hinterlassen. Auch wenn nach der bewegenden, jedoch durchaus anstrengenden Woche des Weltjugendtags für viele unter Umständen ein bequemes Sofa die deutlich wohlklingendere Option gewesen wäre – eine geistige Stärkung für den Alltag in der Heimat hatten wohl die meisten Pilger in den letzten sechs Tagen erfahren können.

Doch zurück zum Anfang. Schon früh starteten die beiden Busse der Diözese Augsburg am Montag Morgen ihre Fahrt nach Polen. Darunter auch eine Gruppe von vier Jugendlichen aus dem Raum Senden zusammen mit Neupriester Johannes Prestele. Schon im vergangenen Herbst fanden dort sowie in den umliegenden Pfarreien regelmäßig Vorbereitungstreffen und Gottesdienste für das große Event Weltjugendtag 2016 statt. Von der Donau an die Weichsel hieß es auf den Flyern, so war nun alles bereit für die Reise nach Krakau, der Wirkungsstadt von gleich zwei großen Heiligen der jüngeren Kirchengeschichte. Zum einen lebte hier die Hl. Schwester Faustyna, zum anderen der 2014 heiliggesprochene Johannes Paul II, der bis zu seiner Wahl zum Papst Erzbischof von Krakau war und in Polen als ein Nationalheiliger verehrt wird. Beide stehen wie sonst niemand in der katholischen Kirche für die Verkündigung der göttlichen Barmherzigkeit, und so wurde auch der gesamte Weltjugendtag unter dem Motto des biblischen Zitats aus der Bergpredigt gefeiert: „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“ Mt 5,7.

Am Abend gegen 23:00 Uhr kamen wir, die Augsburger Pilgergruppe in der kleinen Stadt Dobčice an. Untergebracht waren wir hier in der örtlichen Grundschule. Großer Komfort war dabei nicht zu erwarten, geschlafen wurde auf Isomatten in Turnhallen und Klassenzimmern, doch das störte niemanden merklich. Auch unsere vier mitgereisten jungen Priester, darunter zwei Neupriester die auf Nachfrage sehr gern den Primizsegen spendeten, bekamen hier keine Sonderbehandlung. Allzu viel Zeit verbrachte man in der Unterkunft während der Woche jedoch ohnehin nicht. Bereits am nächsten Morgen wurden alle nach einer kurzen internen Andacht mit Shuttlebussen bis kurz vor Krakau gefahren, dem Zentrum des Weltjugendtags. Schon jetzt deutete sich an, was in der angebrochenen Woche noch folgen sollte. Unzählige Jugendliche aus aller Welt, die singend und feiernd mit Fahnen durch die Straßen zogen, ließen die Stadt an der Weichsel in den buntesten Farben erstrahlen. Aus allen Kontinenten der Erde sind die Pilger hier zusammen gekommen – ein Treffen der jungen Weltkirche.

Bereits am Nachmittag des selben Tages stand das erste große Highlight an, der Eröffnungsgottesdienst des Weltjugendtags. Die Stimmung auf der Bolognia Wiese war schon beim Vorprogramm großartig. Wir tanzten und feierten zu mitreißender Musik, trotzdem, dass sich der Segen des Himmels bis dahin hauptsächlich in Form von Regen zeigte. Doch ungeachtet dessen war nun zum ersten Mal die unvergleichliche Weltjugendtagsstimmung zu erleben. Der Platz füllte sich zusehend mit jungen Menschen und ein Meer aus Fahnen bildete sich vor unserer Gruppe. Das Ende der Menschenmengen war kaum abzuschätzen. Zum Schluss des Gottesdienstes erklang die Hymne des aktuellen Weltjugendtags in den verschiedensten Sprachen, ebenso der wohl bekannteste „Klassiker“ unter den verschiedenen Weltjugendtagsliedern, „Jesus Christ, you are my life“. Der Text des Refrains war den jugendlichen Pilgern sehr gut bekannt und so ertönte das Lied auch auf dem Rückweg immer wieder und wieder. Auf den Straßen bot sich uns mittlerweile eine Stimmung die der im Fußballstadion gleich kam. Man grölte Fangesänge, doch statt einer Fußballmannschaft feierten die Jugendlichen hier Jesus Christus.


Die darauf folgenden drei Tage begannen jeweils am Vormittag mit einer Katechese in der Kirche von Dobčice für rund 500 deutschsprachige Besucher des Weltjugendtags. Drei verschiedene Bischöfe hielten Vorträge zum Thema Barmherzigkeit. Am ersten Tag versuchte dabei Weihbischof Florian Wörner in vielen praktischen Beispielen zu erklären, wie Barmherzigkeit auch im Alltag umgesetzt werden kann. Anschließend konnten dem Bischof Fragen gestellt werden und es wurde die heilige Messe gefeiert. Die moderne und rhythmische Musik lockerte dabei die Stimmung auf, auch hier schwenkten wieder große Fahnen durch das Kirchenschiff. Nach einem reichhaltigen Mittagessen in der Unterkunft machten wir uns auf den Weg nach Krakau. Wir pilgerten zur Basilika der göttlichen Barmherzigkeit, einer modernen, monumentalen Kirche, in der sich nicht nur das weltbekannte Gemälde des barmherzigen Jesus befindet, sondern auch die Reliquien der Frau, deren Beschreibungen diesem Bild zugrunde liegen – der Hl. Schwester Faustyna. Geplant war ein Zug aller deutschen Pilger zur Kathedrale, doch hatten wir uns zuvor leider in der Zeit verschätzt. So verpassten wir zwar den Pilgermarsch, waren jedoch vor allen anderen am Ziel und konnten uns so in der später völlig überfüllten Kathedrale gute Plätze sichern. Es fand dann eine Vesper mit verschiedenen Glaubenszeugnissen, Gebeten und Impulsen speziell auf Deutsch statt, auch hier wieder begleitet von moderner Lobpreismusik.


Am Nachmittag des darauf folgenden Tages kam, was die meisten Pilger vermutlich sehnsüchtig erwartet hatten. Eine der großen Hauptstraßen durch Krakau wurde abgesperrt, Sicherheitskräfte entlang der gesamten Straße reihten sich an die mobilen Zaunabsperrungen, der dumpfe Klang von Helikoptern, die im Tiefflug ihre Kreise über der Stadt zogen, donnerte in den Ohren. Der gesamte Straßenrand war gesäumt von jubelnden Pilgern, als Papst Franziskus im offenen Papamobil und seinem wohlbekannten Lächeln in Krakau durch die Straßen eskortiert wurde. Am Abend fand dann die offizielle Begrüßungsfeier für den Heiligen Vater statt, der auf die Bolognia Wiese mit der Stadtbahn angereist kam.

Auch am Freitag begaben wir uns nach dem üblichen Vormittagsprogramm wieder nach Krakau und hatten an diesem Tag nun endlich ein wenig mehr Freizeit. Nach dem dicht gestaffelten Programm der letzten Tage war ein entspannter Nachmittag in der Stadt genau das, was wir in diesem Moment gut brauchen konnten. Die Stimmung auf den Straßen war ungebrochen gut. Überall sah man Pilger mit Fahnen und bunter Kleidung aus aller Welt. Uns wurde ein Flyer in die Hand gedrückt, Edwin Fawcett, Musiker aus England gab mit seiner Band ein Konzert mit moderner, christlicher Musik. Wir entschlossen uns spontan den Abend dort zu verbringen und wurden nicht enttäuscht. In einer alten Kirche im Herzen Krakaus war eine Bühne aufgebaut worden, die von bunten, zum Rhythmus der Musik bewegten Strahlern, ausgeleuchtet wurde. Die monumental wirkende Orgel, die im Licht der Bühnenbeleuchtung über den Musikern farbenfroh erstrahlte, gab dem ganzen Bühnenbild zusätzlich eine besondere Atmosphäre. Der Groove der Musik ließ die jungen Besucher des Konzerts in der Kirche tanzen. Gerade dort, wo doch sonst sehr oft und stark auf Andächtigkeit und Ruhe geachtet wird, feiern hier Jugendliche. Ein sehr angenehmes Kontrastprogramm zur gewohnten Normalität in Deutschland, Freude am Glauben wird spürbar.

Der Samstag war gekommen, alle machten sich schon früh morgens bereit für eine ganz besondere Erfahrung, wohl der Höhepunkt des gesamten Weltjugendtags, der am Abend folgen sollte. Die Schlafsäcke und Isomatten wurden ebenso verstaut wie wärmere Pullis und Ersatzklamotten. Auf dem Campus Misericordiae sollten wir am letzten Abend vor dem großen Abschlussgottesdienst unter freiem Himmel mit den knapp 2 Millionen anderen Pilgern übernachten. Doch zuvor stand noch ein anstrengender Marsch in der prallen Sonne an, die an jenem Tag erbarmungslos vom Himmel brannte. Wir hatten das Glück, dass uns Shuttlebusse etwas näher zum Campus brachten und sich unsere Pilgerreise somit von drei auf lediglich 1,5 Stunden verkürzte. Angekommen am Campus erstreckte sich vor uns ein immens riesiger Platz, in dessen Mitte sich der monumental wirkende Altar auftat. Ganz in weiß gehalten strahlte er in der Sonne, eine Vielzahl an Treppenstufen führten auf die hoch gelegene Ebene, auf der später der Papst die Messe zelebrieren würde. Die Rückwand zierte das überdimensionale Bild des barmherzigen Jesus. Über alledem stand ein wuchtiges, weißes Kreuz. Der gesamte Platz war in Sektoren aufgeteilt. Wir hatten dabei verhältnismäßig gute Plätze abbekommen, doch der Altar war trotzdem in weiter Entfernung, sodass wir später das meiste an den großen Bildschirmen mitverfolgten, die ebenfalls aufgestellt worden waren. Es war Mittag als wir uns Plätze direkt an der Absperrung unseres Sektors sicherten, so blieb uns also bis zur Vigil am Abend noch genügend Zeit. Die Stimmung war trotz großer Hitze und fehlendem Schatten gut. Wir spielten Volleyball mit den Priestern, suchten uns unter selbstgebauten Vorrichtungen aus Rettungsdecken oder den mitgebrachten Fahnen Schutz vor der Sonne. Bis zum Abend hin füllte sich nicht nur unser Sektor sondern der gesamte Platz. Es zeigte sich was sich schon am Eröffnungsgottesdienst angedeutet hatte. Das Ende des Fahnenmeers war am Horizont nicht mehr ausfindig zu machen. Die Massen erstreckten sich über den gesamten Platz, weder rechts noch links von uns war ein Ende abzusehen. Am Abend, als sich die Sonne senkte und glühend alles in ein gold oranges Licht tauchte, war der lang ersehnte Höhepunkt gekommen. Papst Franziskus feierte mit den knapp 2 Millionen Jugendlichen die Vegil, eine abendliche Andacht. In den verschiedenen Darbietungen und der päpstlichen Ansprache ging es hierbei vor allem um den weltweit bedrohten Frieden. Einer der bewegendsten Momente war hier wohl das stille Friedensgebet – für einige Momente schwieg der gesamte Platz. Eine ganz besondere Atmosphäre legte sich dann später auch bei der eucharistischen Anbetung im Anschluss an die Vegil über das Feld. Die Menschen knieten vor der ausgesetzten Hostie, es wurden Kerzen verteilt, die den gesamten Platz in einem warmen Licht erstrahlen ließen. Auch hier reichten die unzähligen Lichtpunkte der Kerzen bis zum Horizont. Nach diesen eindrücklichen Erlebnissen wartete nun zunächst eine Nacht im Schlafsack auf dem harten Feldboden auf uns.

Der krönende Abschluss am nächsten Morgen, die große Abschlussmesse mit Franziskus entlohnte uns jedoch für alle strapazen zuvor. Zunächst fuhr der Papst an den Sektoren vorbei und segnete die Gläubigen. Dadurch, dass wir Plätze direkt an der Absperrung gesichert hatten, kamen wir dem heiligen Vater ganz Nahe. So neigte der Weltjugendtag sich dem Ende. Nach der beeindruckenden Messe lag nur noch der Pilgerweg zurück zur Unterkunft und die Busfahrt am nächsten Morgen zurück nach Deutschland vor uns.

Es waren prägende Tage, die hinter uns lagen. Wir hatten viele Eindrücke gesammelt, die uns alle bestärkt hatten. Besonders bekräftigend war jedoch die Erfahrung, eine bunte, fröhliche und junge Kirche zu erleben. Für uns Pilger ist es nun an der Zeit, wie es der Papst zum Schluss formuliert hatte, sich nicht nur auf dem Sofa zurück zu lehnen, sondern von den Erlebnissen dieser Woche zu erzählen. Egal was der Kirche sonst oft aus verschiedenen Richtungen nachgesagt wird: In Krakau hat sie sich definitiv als jung und dynamisch gezeigt.

 

 

Selfie von RISE UP mit den Priestern

Die Gruppe aus dem Raum Senden nach der Vigil mit Papst Franziskus auf dem Campus Misericordiae

Keine Kommentare » Verfasst am August 4th, 2016 von mh
Kategorien: Allgemein, Dekanat, Jugend aktuell, Musik

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